
Wenn plötzlich eine Schafherde
den Trainingsplan übernimmt
„Manchmal schreibt nicht die Stoppuhr die schönsten Geschichten.“
Start » Jörg Laufkolumene – Folge 3 – Wenn plötzlich eine Schafherde den Trainingsplan übernimmt
„Manchmal liegt das schönste Lauferlebnis genau dort, wo man eigentlich gar nicht anhalten
wollte.“
Wer an der Nordsee läuft, lernt ziemlich schnell: Den Deich hat man selten ganz für sich allein.
Ich liebe meine Läufe entlang der Weser und durch die weite Landschaft rund um Nordenham und
Butjadingen. Gerade wenn morgens noch wenig los ist, der Wind vom Wasser kommt und vor einem scheinbar endlos der Deich liegt, kann ich wunderbar abschalten. Nach fast vier Jahrzehnten
Laufsport sind es häufig genau diese ruhigen Einheiten, die mir besonders viel bedeuten.
Bei einem dieser Läufe hatte ich meine Strecke und mein Training eigentlich ziemlich genau im Kopf. Die Beine fühlten sich gut an, ich hatte meinen Rhythmus gefunden und war gedanklich
schon einige Kilometer weiter.
Bis plötzlich andere entschieden, dass mein Trainingsplan an diesem Tag geändert werden musste.
Vor mir stand eine ganze Schafherde. Und die Schafe machten nicht den Eindruck, als würden sie sich für meine Laufplanung interessieren.
Ich wurde langsamer, blieb schließlich stehen und musste über die Situation lachen. Da stehst
Du als Läufer, schaust vielleicht noch auf Deine Uhr und möchtest Dein Training ordentlich absolvieren – und ein paar Meter weiter herrscht völlige Gelassenheit. Kein Schaf interessiert sich
für Pace, Kilometerzeit oder Trainingsplan.
Früher hätte mich eine solche Unterbrechung vielleicht geärgert. Heute genieße ich diese Momente.
Ich blieb einen Augenblick stehen, schaute über den Deich und dachte: Eigentlich ist genau das doch Laufen.
Nicht immer schneller. Nicht immer weiter. Nicht ständig eine neue Bestleistung.
Einfach draußen sein.
Die Landschaft wahrnehmen, den Wind spüren und auch einmal stehen bleiben können, wenn das Leben – oder eben eine Schafherde – es so vorsieht.
Gerade unsere Region bietet dafür unglaublich viele Möglichkeiten. Wir haben die Weser, die Deiche, das Wasser, die Weite und diese typische norddeutsche Landschaft direkt vor der Haustür.
Manchmal fahren wir hunderte Kilometer, um irgendwo eine besondere Laufstrecke zu erleben, und
vergessen dabei, wie schön es zuhause sein kann.
Diese Begegnung mit den Schafen ist deshalb eine meiner kleinen Laufgeschichten, die mir bis
heute im Gedächtnis geblieben ist. Nicht weil sportlich etwas Besonderes passiert wäre. Sondern weil sie mich daran erinnert hat, dass ich nach all den Jahren immer noch aus demselben Grund
gerne die Laufschuhe anziehe:
Weil ich draußen sein möchte. Weil Bewegung mir guttut. Und weil ich beim Laufen immer wieder Dinge erlebe, die sich nicht planen lassen.
Vielleicht sind genau das am Ende die schönsten Kilometer.
Jörgs Gedanke zum Schluss
„Nicht jede Unterbrechung bringt Dich aus dem Rhythmus. Manche erinnert Dich
einfach daran, warum Du überhaupt losgelaufen bist.“
Euer
Jörg
ÜBER DEN AUTOR
Jörg Brunkhorst
Lauftrainer & Inhaber
Jörg ist leidenschaftlicher Ausdauersportler, Touristikfachwirt & Lauftrainer
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