Die Brücke,
die uns alle

zum Anhalten zwang

„Manchmal schreibt nicht die Stoppuhr die schönsten Geschichten.“

Es gibt Wettkämpfe, an die erinnert man sich wegen einer persönlichen Bestzeit. Und dann gibt es
Läufe, die bleiben einem aus einem völlig anderen Grund im Gedächtnis

So ging es mir bei einem Lauf in Bremerhaven.

Eigentlich war alles wie immer. Die Startnummer war befestigt, die Schuhe saßen perfekt und ich
hatte mir vorgenommen, ein gleichmäßiges Rennen zu laufen. Das Wetter passte, die Stimmung
unter den Läuferinnen und Läufern war hervorragend und nach dem Start fand jeder schnell seinen
Rhythmus.

Doch plötzlich war Schluss.
Mitten im Rennen standen wir alle vor einer hochgeklappten Brücke.

Zuerst dachte ich, das könne nur ein kurzer Moment sein. Doch dann wurde schnell klar, dass ein
Schiff Vorrang hatte und wir warten mussten. Zehn Minuten – mitten in einem Wettkampf.

Natürlich war in diesem Augenblick jede geplante Zielzeit dahin. Anfangs schaute fast jeder etwas
irritiert auf seine Uhr. Manche lachten, andere schüttelten den Kopf. Doch je länger wir dort
standen, desto entspannter wurde die Stimmung.
Plötzlich unterhielten sich Menschen miteinander, die sich vorher gar nicht kannten. Es wurde
gescherzt, Erfahrungen wurden ausgetauscht und gemeinsam beobachteten wir das Schiff, das ganz
gemächlich unter der geöffneten Brücke hindurchfuhr.

Als sich die Brücke langsam wieder senkte, applaudierten einige sogar. Es fühlte sich fast wie ein
zweiter Start an.
Ich weiß bis heute nicht mehr, welche Zeit ich an diesem Tag gelaufen bin.
Aber ich erinnere mich noch ganz genau an dieses Erlebnis.
Seitdem denke ich oft daran zurück. Im Leben läuft eben auch nicht immer alles nach Plan.

Manchmal zwingt uns eine hochgeklappte Brücke zum Anhalten. Manchmal ist es eine Verletzung,
manchmal eine berufliche Veränderung oder eine persönliche Herausforderung.
Früher hätte mich so eine Unterbrechung wahrscheinlich geärgert. Heute sehe ich das anders.
Nicht alles können wir beeinflussen.

Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen.
Genau das macht für mich den Laufsport aus. Es geht nicht darum, dass immer alles perfekt läuft.
Es geht darum, nach einer ungeplanten Pause wieder in Bewegung zu kommen.
Und vielleicht war genau diese Brücke damals die wichtigste Lektion des ganzen Wettkampfs.
Nicht die Zeit auf der Uhr bleibt in Erinnerung.
Sondern die Geschichte dahinter

Jörgs Gedanke zum Schluss

„Manchmal hält uns das Leben an. Das ist nicht das Ende des Weges – sondern oft nur eine kurze
Pause, bevor wir mit neuer Energie weiterlaufen.“
Bis zur nächsten Runde.

Euer
Jörg

ÜBER DEN AUTOR

Jörg Brunkhorst

Lauftrainer & Inhaber

Jörg ist leidenschaftlicher Ausdauersportler, Touristikfachwirt & Lauftrainer

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